MEDU Stepprad Gutachten

Georg-August-Universität Göttingen
Zentrum Aaesthesiologie, rettungs- u. Intensivmedizin
- Sportmedizin-
Göttingen, d. 30.09.2006

  • ....gern möchte ich Ihrer Bitte um Beurteilung der DE-OS Stepprad nachkommen und die Beurteilung der Erfindung nach den vorliegenden Schriftsätzen vornehmen. Es handelt sich bei der vorliegenden Erfindung um eine biomechanisch sinnvolle und für die rehabilitative Medizin interessante Konstruktion einer neuartigen Belastungsvorrichtung, die in der medizinischen Trainings- und Sporttherapie einen geeigneten Platz erlangen könnte. Die Erfindung ist zum Training der konditionellen Fähigkeiten Ausdauer und Kraftausdauer geeignet, wobei die Anforderungen an die koordinativen Fähigkeiten des Patienten – insbesondere an diejenigen des Gleichgewichtssystems – auf Grund der Dreiradkonstruktion gering bleiben. Dies würde sich förderlich in der Rehabilitation von Patienten mit peripher- und/oder zentralnervalen Schädigungen auswirken. Es handelt sich hierbei um eine große Gruppe von Patienten mit Erkrankungen unterschiedlicher Ätiologie: Cerebrovaskuläre Erkrankungen, Zustand nach Schädel-Hirn- oder Polytrauma, neuromuskuläre Erkrankungen, degenerative Erkrankungen oder Schädigungen der Wirbelsäule u.a.m. Außerdem erweitert die konstruktive Auslegung der Vorrichtung Möglichkeiten zur Neuschulung solcher motorischer Stereotype, die für Alltagstätigkeiten (Gehen, Laufen usw.) relevant erscheinen, d. h. artifizielle Drehkurbelbewegungen werden natürlichen menschlichen Bewegungsmustern angepasst...

    Prof. Dr. med. et Dr. rer. nat. A. Niklas FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin FA für Sportmedizin – Chirotherapie, Tauchmedizin (GTÜM e. V.)

Auszüge aus:
Mögliche Anwendungen und Therapieerfolge bei regelmäßiger Benutzung des Stepprades

1)...

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3) Worin unterscheidet sich das Stepprad von den herkömmlichen Ergometergeräten der Trainingstherapie und den bisher bekannten Straßenrädern?

  • Die Fortbewegung mit dem Stepprad erfolgt durch eine steppende Bewegung, die dem Treppensteigen nachempfunden ist, d.h. sie entspricht einer Bewegung, die im Alltag oft ausgeführt werden muss. Es handelt sich um ein Trainingsgerät, dass auf die individuellen Bedürfnisse seines Benutzers angepasst werden kann (z.B. kann der Lenker für Hemiplegiker so angepasst werden, dass auch dieser sich sicher mit dem Stepprad fortbewegen kann). Der Einstieg bzw. Aufstieg auf das Stepprad ist besonders für Menschen mit Gehbehinderung sehr gut geeignet. Das Stepprad ist ein Trainingsgerät welches hohen Aufforderungscharakter besitzt. Bei herkömmlichen Fahrradergometern bleibt d er Patient in einem Raum auf der Stelle sitzen und muss nur treten. Dreißig Minuten Radfahren können dann sehr lang werden, so dass die Freude am Training schnell verloren geht, auch wenn es der Gesundheit noch so gut tut. Der Spaß am Sport ist gerade im Gesundheitssport ein wesentlicher Faktor für das „dabei bleiben“! Das Herumfahren an frischer Luft kann einem Menschen mit Gehbehinderung ein Gefühl von Freiheit und Selbständigkeit zurückgeben.... Besonders hohe Bedeutung kann das Stepprad in der Anwendung für Menschen haben, die ihren Schlaganfall erst vor kurzem erlebt haben und noch auf den Rollstuhl angewiesen sind. Die meisten Patienten sind in der Anfangsphase depressiv, da sie von jetzt auf gleich aus ihrem selbständigen Leben herausgerissen worden sind und nun auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind. Hier kann das Rad als Motivator dienen.... Es ist ein Trainingsgerät, dass in den Alltag integriert werden kann, d.h. es kann als Fahrzeug verwendet werden und ganz nebenbei wird trainiert.

4) Schwerpunkte der Trainingstherapie bei Schlaganfallpatienten und im Besonderen bei Hemiplegikern könnten sein:

  • Das Benutzen des Stepprades an sich stellt schon eine koordinative Herausforderung dar. Bewegt sich der Patient mit dem Rad auch noch von der Stelle, dann gibt es weitere Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Es werden gleichzeitig mehrere koordinative Fähigkeiten gefordert und geschult (Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit, Orientierungsfähigkeit und Rhythmisierungsfähigkeit). Dadurch dass die Bewegungsaufgabe sehr komplex ist, wird das Nervensystem gefordert und es kann zu neuen nervalen Verknüpfungen kommen. Die durch den Schlaganfall erlittenen Schäden in der Ansteuerung der Muskulatur können dadurch teilweise kompensiert werden....
  • Somit kommt die nächste Stärke des Stepprades zum Einsatz. Die Pedale können unabhängig voneinander getreten werden. Diesen Vorteil kann der Therapeut nutzen, indem er in einigen Trainingseinheiten die betroffene Seite, d.h. das schwächere Bein bzw. das Bein, welches der Patient im Alltag weniger belastet mehr fordert....
  • Außerdem kann die Hubhöhe der Pedale vorgegeben werden, d.h. der Anwender kann dazu aufgefordert werden, das Bein bzw. die Beine immer bis Anschlag anzuheben. Dies kann sich positiv auf das Gangbild des Patienten auswirken. ...

5) Besondere Vorteile, die Rollstuhlfahrer erfahren, wenn sie mit dem Stepprad trainieren:

  • Das Rad ist so konzipiert, dass ein Rollstuhlfahrer gut auf das Trainingsgerät gelangen kann....
  • Rollstuhlpatienten können in der Reha oft nur an ein Motomed gesetzt werden. Dabei bleiben sie aber in ihrem Rollstuhl sitzen. Bei der Benutzung des Stepprades ist es aber anders. Sie werden in die Aufrichtung gebracht, womit der Verkürzung der Hüftbeuger und Beinbeuger entgegengewirkt werden kann. Außerdem verändert sich die Sitzfläche und kann kurzfristig als eine Art der Umlagerung v erstanden werden. Gleichzeitig wird durch das Training die Hautdurchblutung angeregt. Dies kann der Dekubitusprophylaxe dienen. Allerdings ist der Druck auf die Sitzbeinknochen auf dem Stepprad höher als beim Sitzen im Rollstuhl, so dass die Trainingszeit nicht sehr lang sein sollte, dafür dann aber öfter stattfinden sollte....

    Marianne Lange, Therapeutin Abt. Reha-Sport des LVSB e. V. Februar 2010